CONTERGANOPFER MIT THALIDOMID-

WIEDEREINSATZ KONFRONTIERT

Der Bundesverband Contergangeschädigter e.V. möchte im Grunde die Zulassung von THALIDOMID und somit den offiziellen Wiedereinsatz von thalidomidhaltigen Präparaten verhindern. Der Gedanke, dass das in den Jahren 1957 bis 1961 für den größten deutschen Arzneimittelskandal verantwortliche "völlig harmlose" Schlaf‑ und Beruhigungsmittel CONTERGAN in abgewandelter Form wieder auf den Markt kommt, löst geradezu traumatische Reaktionen aus. Vielschichtige, im tiefsten Unterbewusstsein verschüttete Erinnerungen an schlimmste menschliche Szenarien brechen los. Die heute im Bundesverband mit seinen 10 Landes‑ und 28 Ortsverbänden tätigen Amtsträger/innen, die die Interessen von etwa 2600 betroffenen Mitgliedern vertreten, sind selbst contergangeschädigt und haben Angst vor einer Wiederholung der Geschichte.

Trotz dieser tiefgreifenden emotionalen Belastungen, maßt sich der Bundesverband aber auch nicht die Verantwortung dafür an, dass Patienten mit schwersten Krankheiten, bei deren Behandlung etablierte Medikamente erfolglos blieben, die Möglichkeit einer erfolgversprechenden Therapie mit THALIDOMID versagt bleibt. Im übrigen wird THALIDOMID bereits heute schon im sogenannten "ärztlichen Heilversuch" (nach ärztlicher individueller Beantragung) verabreicht. Die Zulassung von THALIDOMID durch die EMEA (Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln) würde auch den festzustellenden Schwarzmarkt mit THALIDOMID eindämmen.

Der Bundesverband begleitet daher das Zulassungsverfahren nicht nur kritisch, sondern nimmt vielmehr direkten Einfluss auf die einzubauenden höchstmöglichen Sicherheitsstufen. Absolute Priorität haben die Bemühungen, dass keine neuen Conterganopfer beklagt werden müssten. Die "am eigenen Leib" gemachten Erfahrungen sind sowohl für die Vertreiberfirma Pharmion (Hamburg) als auch für Ärzte, Apotheker, Kliniken und insbesondere für die Patienten wertvolle Argumente und Hinweise. In diesem Rahmen wird auch zu klären sein, wer im Falle einer erneuten Thalidomid‑Embryopathie letztendlich die Verantwortung zu tragen hat.